ISLAND – Roadtrip durch das Land aus Feuer und Eis

In den Sommerferien zieht es meine Familie und mich meistens in den Norden Europas. Nach Irland, England und Schottland führte uns die Reise im Sommer 2018 noch ein Stück weiter nach Norden. Genauer gesagt in das Land geboren aus Feuer und Eis – nach Island!

Regenbogen über dem Fjallsárlón Gletscher.

Schon bei der Reiseplanung war klar: es sollte ein erlebnisreicher Roadtrip werden und entsprechend lang war unsere “das wollen wir unbedingt sehen”-Liste. Auf der Liste waren einfach umzusetzende Punkte wie z.B. Islandponies, Wasserfälle, Vulkane, Geysire und heiße Quellen. Es waren aber auch Wünsche drauf, bei denen wir nur hoffen konnten, dass es tatsächlich klappt, u.a. Papageientaucher, Robben, Wale, Polarfüchse und Nordlichter.

Unsere 10-tägige Reiseroute verlief zunächst vom Flughafen Keflavik an der Südküste entlang bis zu den Ostfjorden. Über eine Passstraße fuhren wir weiter nach Norden in die Städte Husavik und Akureyi. Von dort an der Nordküste entlang wieder zurück nach Westen und an den Flughafen.

Die Ringstraße in 10 Tagen
Für unseren Roadtrip entlang der Ringstraße hatten wir 10 Tage und eine Fahrstrecke von rund 2.000 km eingeplant. Für jede Nacht hatten wir vorab ein Hotel oder Gasthaus gebucht. Los ging es Ende August mit einem 4-stündigen Flug von Basel nach Keflavik. Bereits um 5 Uhr morgens hob der Flieger ab, so dass wir bereits um 7 Uhr Ortszeit (2 Stunden Zeitverschiebung) in Island ankamen. Am Flughafen übernahmen wir unseren Mietwagen, einen knallroten VW Polo und schon ging’s los. Nicht mal eine Stunde nach der Landung standen wir schon an der “Blue Lagoon”, einer sehr bekannten Thermalquelle mit türkisblauem Wasser und unverschämten Eintrittspreisen ab 78,- EUR pro Person!! Ja, Island ist teuer! Leider in allen Belangen: Essen, Trinken, Unterkunft, Mietwagen, Lebensmittel, Benzin ….aber das wussten wir vorher schon, deshalb haben wir die Blue Lagoon nur von außen besichtigt und fuhren weiter. Auf unserer Reise erwarteten uns ja noch viele weitere heiße Quellen – meistens sogar gratis und mit viel weniger Besucherandrang.

Der mächtige Skogafoss an Islands Südküste beeindruckt mit seinen Wassermassen. Rechts neben dem Wasserfall führt ein Weg in Treppenstufen nach oben. Auf jeden Fall hochwandern, denn der Flusslauf oberhalb ist ebenfalls sehr schön und bietet tolle Fotomotive.

Direkt hinter der Hauptstadt Reykjavik beginnt der “Golden Circle”, eine Rundfahrt-Route mit einigen tollen Sehenswürdigkeiten. Aufgrund der Nähe zur Hauptstadt und zum Flughafen wird der Golden Circle allerdings auch von vielen Tagestouristen und Kurzurlaubern besucht. Entsprechend voll sind die Sehenswürdigkeiten wie der Gullfoss Wasserfall, der Strokkur Geysir und der Pingvellir-Nationalpark. Vor allem der Strokkur ist trotzdem einen Besuch wert: der Geysir schießt ca. alle 10 Minuten eine bis zu 35 Meter hohe Wasserfontäne in die Höhe. Ein beeindruckendes Naturschauspiel!

Islandpferde auf einer Hochebene im Norden von Island.

Die Südküste ist extrem abwechslungsreich
Danach ging es auf der Ringstraße weiter an der Südküste entlang. Die Südküste ist extrem kurzweilig: eine Sehenswürdigkeit jagt die Nächste, es bleibt kaum Zeit zum Durchschnaufen. Am faszinierendsten fand ich, dass sich die Landschaft ständig verändert. Hinter jeder Kurve, hinter jedem Fjord oder Bergpass sieht die Landschaft anders aus und es gibt permanent neue Dinge zu entdecken. Traumhafte Wasserfälle, majestätische Berggipfel und malerische Fjorde wechseln sich ab mit Lavafeldern, Gletschern und riesigen Flussdeltas. Dazwischen liegen Strände mit schwarzem Sand und gezackten Felsspitzen. Eine wirklich faszinierende Gegend und für mich persönlich die interessanteste und vielleicht auch schönste Region in Island. Daher mein Tipp: wer eine Island-Rundreise plant, sollte die Ringstraße im Uhrzeigersinn fahren – dann kommt das Beste zum Schluss!


Schwarzer Sand und Basaltsäulen am Strand von Reynisdrangar in der Nähe des Dorfes Vík í Mýrdal in Südisland.

Alle Sehenswürdigkeiten entlang der Südküste hier aufzuzählen ist gar nicht möglich, deshalb beschränke ich mich auf meine persönlichen Favoriten. Wenn ihr Island besucht solltet ihr auf jeden Fall den Skogafoss Wasserfall anschauen sowie die beeindruckende Schlucht des “Fjadrargljufur Canyon”. Ein Abstecher nach Dyrhólaey und an den Kirkjufjara Beach lohnt sich ebenso. Man kann dort kilometerlange Strandspaziergänge im schwarzen Sand machen und es gibt einen Vogelfelsen mit Papageientauchern.

Ein absolutes Muss ist die Jökulsárlón Gletscherlagune und der Diamond Beach. Von der Gletscherlagune treiben riesige Eisschollen ins Meer und werden wieder ans Ufer zurückgespült. Die türkisblauen Eisschollen auf dem feinen schwarzen Sandstrand sehen spektakulär aus. In der Gletscherlagune gehen zudem Seehunde auf die Jagd und können aus nächster Nähe beobachtet werden.


„Die Dimensionen sind einfach in jeder Hinsicht überwältigend. Riesige Hochebenen, gigantische Wasserfälle, beeindruckende Vulkane und malerische Traumlandschaften im Überfluss.“


Die perfekte Landschaftskulisse
Ein weiteres Highlight war für mich das Gebirgsmassiv Vestrahorn und die davor liegende Bucht Stokksness. Vor wenigen Jahren noch ein Geheimtipp, hat sich dieser Fleck inzwischen zu einem der meistfotografierten Motive in ganz Island entwickelt. Ich finde: absolut berechtigt! Es ist einfach die perfekte Landschaftskulisse und sieht aus wie gemalt. Das Panoramafoto von Stokksness-Vestrahorn ist folglich auch mein persönliches Lieblingsfoto aus Island.

Die nahezu perfekte Landschaftskulisse des Vestrahorn Gebirges am Strand von Stokksness ist längst kein Geheimtipp mehr.

Eine Anmerkung noch zu Stokksness/Vestrahorn: das Gebiet ist in Privatbesitz und der Eigentümer verlangt umgerechnet ca. 4 EUR Eintritt für den ganzen Tag. An der Zufahrtsstraße ist eine Schranke, im Kaffee daneben wird der Wegezoll entrichtet. Am Fuße vom Vestrahorn-Gebirge gibt es übrigens noch ein Wikingerdorf zu sehen, welches als Filmkulisse für die TV-Sendung “VIKINGS” gebaut wurde. Beim Thema Eintrittspreise kann ich übrigens Entwarnung geben: Island ist zwar teuer, aber es wird nur selten Eintritt verlangt und selbst Parkgebühren waren eher die Ausnahme.

Gletscherlagune am Jökulsárlón.

Entlang der Ostküste gibt es viele malerische Buchten und Fjorde. Wir haben die Strecke ein wenig abgekürzt und sind auf der Straße 939 über den Öxipass gefahren. Lohnt sich, weil man einen schönen Eindruck bekommt, wie es im isländischen Hochland aussieht. Die Strecke ist zwar kürzer als die Route über die Ringstraße, aber es handelt sich um eine grobe Schotterpiste, man spart deshalb kaum Zeit.


Blubbernde Schlammtöpfe und karge Mondlandschaften
Nachdem wir den Pass hinter uns gelassen hatten, ging es weiter Richtung Norden zum wunderschönen See Mývatn, dem viertgrößten See des Landes. Er misst stolze 36,5 km² und hat mehr als 50 kleine Inseln. Die vielen Inseln machen den See zu einer malerisch-romantischen Bilderbuchlandschaft. Ganz in der Nähe befindet sich im Bereich des Krafla-Vulkansystems der Berg Námafjall und das Geothermiefeld Hverir. Dort gibt es beeindruckende Kraterlandschaften zu sehen mit heißen Quellen, blubbernden Schlammtöpfen und kargen Mondlandschaften. Überall riecht es nach Schwefel, man könnte auch sagen, es stinkt nach faulen Eiern.

Landschaftsidylle an der weitläufigen Myvatn-Seenlandschaft im Nordosten.

Im Nordosten von Island sollte man sich auf jeden Fall den größten Wasserfall (Dettifoss) und den schönsten Wasserfall (Godafoss) anschauen. Während der sagenumwobene Wasserfall der Götter, der Godafoss, einfach und bequem zu erreichen ist, ist eine Fahrt zum Dettifoss ein mittelgroßes Abenteuer. Die Straße dorthin ist über 50 Kilometer lang und der Zustand der Schotterpiste ist extrem bescheiden. Ich schätze mal 10% Schotter, 20% Schlamm, 20% Geröll und 50% Schlaglöcher, oder so ähnlich ….aber es waren definitiv mehr Schlaglöcher als Straße! 😉

Man sollte also auf jeden Fall viel Zeit einplanen und ein geländegängiges 4WD-Auto (statt eines VW Polo) ist auch kein Fehler.

Wasserfälle findet man in Island fast überall. Die meisten Touristen besuchen trotzdem nur die bekannten Wasserfälle – dabei sind die namenlosen Wasserfälle genauso schön. Oftmals ist man dort sogar ganz alleine unterwegs.

Whalewatching im Norden
An der Nordküste angekommen bieten sich dann Abstecher nach Husavik und Akureyri an. Beide Städte sind gute Ausgangspunkte für eine Whale-Watching-Tour. Die Erfolgsaussichten sind groß – angeblich liegt die Quote für Walsichtungen bei einer Bootstour bei über 95%. In unserem Fall hat es gepasst, wir haben mehrere Buckelwale aus nächster Nähe gesehen. Ein beeindruckendes Erlebnis! Wer nicht seefest ist, keine Lust auf eine Bootstour hat oder sich das Geld sparen möchte, der hat auch von Land aus gute Chancen auf Walsichtungen. Wir konnten eine Gruppe Minkwale direkt vom Ufer aus beobachten.

Whale-Watching wird u.a. in Husavik und Akureyi angeboten.

Insidertipp: Bei Husavik gibt es das neu gebaute “Geosea” Geothermal-Bad. Günstiger als die Blue-Lagoon im Süden und in toller Lage direkt auf einer Klippe mit grandioser Aussicht auf das Meer. Am besten ein Fernglas mitnehmen, dann kann man Whale-Watching direkt aus dem 40 Grad warmen Geothermal-Pool heraus machen.

Die Halbinseln im Norden sind sehr dünn besiedelt (wie eigentlich ganz Island) und touristisch wenig überlaufen. Man kann dort wunderbar wandern und Tiere beobachten. Wir hatten Glück und haben bei einer Küstenwanderung sogar einen Polarfuchs gesehen. Für ein Foto hat es leider nicht gereicht, dafür war der Fuchs zu schnell bzw. ich zu langsam.

Abstecher zur Seehundbucht
Als letzten Tipp möchte ich euch die Straße 711 zur Seehundbucht Hindisvik empfehlen. Auf dieser Halbinsel lebt die größte Seehundkolonie Islands. Bei Ebbe ruhen sich hier zahlreiche Seehunde auf den Sandbänken und Felsen aus und man kann diese gut beobachten.

Entlang der Küste entdeckten wir immer wieder Robben und Seehunde. An der Straße 711 zur Seehundbucht Hindisvik lebt die größte Seehundkolonie Islands.

Unterkünfte
Jede Nacht verbrachten wir in einer neuen Unterkunft, so wurde es nie langweilig und die Fahrtstrecken zwischen den einzelnen Etappenzielen waren relativ kurz. Die Hotels und „Guesthouses“ waren durchweg gut, teils schlicht, teils etwas komfortabler, aber immer gemütlich und mit einer herrlichen Ruhe wie man sie in Mitteleuropa kaum findet. Entlang der Strecke machten wir zahlreiche Abstecher zu den unterschiedlichsten Fotospots an der Küste und im Landesinneren. Bei der Mietwagenrückgabe zeigte der Tacho eine Fahrtstrecke von rund 2.800 km an.

Unsere „Must see in Iceland“-Liste
Am Anfang meines Reiseberichtes habe ich unsere “must see”-Liste erwähnt. Hier das Ergebnis: wir haben alles gesehen, was wir uns vorgenommen hatten. Unzählige Islandponies (viel mehr als Einwohner), wunderschöne Wasserfälle, gigantische Vulkane und Gletscher, Geysire und heiße Quellen und sogar bei der Tierwelt hatten wir Erfolg und konnten Papageientaucher, Robben, Wale und einen Polarfuchs beobachten. Und das Beste kommt zum Schluss: sogar die faszinierenden Polarlichter konnten wir sehen. In den Sommermonaten ist das keineswegs selbstverständlich. Doch wir hatten Glück und in einer Nacht zeigten sich richtig starke Polarlichter am Himmel. Die Inhaberin des kleinen Hotelbetriebes klopfte sogar mitten in der Nacht an unsere Zimmertür, um uns über die Polarlichter zu informieren. Ein netter Service, der aber in meinem Fall eigentlich unnötig war, denn ich stand zu diesem Zeitpunkt längst draußen und hatte schon die ersten Fotos aufgenommen. Die Polarlichter tanzten rund 1 Stunde in allen Richtungen über den Himmel. Ein faszinierendes Schauspiel und für mich persönlich ging damit ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung! 🙂

Ein faszinierendes Schauspiel: tanzende Polarlichter über der Küste bei Borgarnes im Osten von Island. Wir hatten Glück und konnten die Polarlichter bereits Anfang September in mehreren Nächten beobachten.

Mein Fazit
Die nordischen Länder haben es mir angetan. Mit unseren Reisen nach Irland, Südengland und Schottland war die Messlatte bereits recht hoch gelegt. Alle diese Länder waren toll, aber Island hat nochmal eine Schippe drauf gelegt. Die Dimensionen sind einfach in jeder Hinsicht überwältigend: riesige Hochebenen, gigantische Wasserfälle, beeindruckende Vulkane und malerische Traumlandschaften im Überfluss. Island ist zurecht eines der populärsten Reiseziel der letzten Jahre und ich kann das Land wirklich wärmstens empfehlen.


Unser kleiner Mietwagen musste ganz schön hart arbeiten. Die Schotterpisten abseits der Ringstraße sind nicht immer im besten Zustand. Eine Versicherung gegen Unterbodenschäden, Steinschlag und Sandstürme ist durchaus empfehlenswert.
Steinwüste und Vulkane in den weiten Ebenen des isländischen Hochlandes.
Auf der Insel leben ca. 80.000 Islandpferde.
Brodelnde Erde am Krafla-Vulkansystem.
Godafoss, der Wasserfall der Götter.

Zum Schluss noch eine kleine Bildergalerie mit weiteren Impressionen von unserem tollen Island-Roadtrip.

SCHOTTLAND – Mythen, Geschichten und wunderschöne Natur

77.910 Quadratkilometer, 790 Inseln und zahlreiche Sagen und Mythen.
Schottland bietet Kultur, Abenteuer und absolute Traumlandschaften. Es gibt nur wenig andere Länder, die so voller Geschichte und wunderschöner Natur sind wie Schottland. In Schottland gibt es viel zu entdecken, weshalb ich gemeinsam mit meiner Familie 10 Tage Urlaub dort machte.

Malerische Fischerdörfer, stille Lochs und wilde Küsten – Schottland’s Natur ist atemberaubend

Schottland Rundreise mit dem Mietwagen
Schottland, das nördlichste Land Großbritanniens, ist durch schroffe Berglandschaften wie die Cairngorms und die Northwest Highlands geprägt, zwischen denen sich Gletschertäler und Seen erstrecken. Die atemberaubende Natur überzieht das gesamte Land bis auf die kleinsten Inseln. Malerische Fischerdörfer, stille Lochs, wilde Küsten, tolle Sandstrände und zahlreiche Castles – Schottland bietet abwechslungsreiche Traumlandschaften und ist ein wahres Paradies für Landschaftsfotografen.

Unsere Schottland-Rundreise machten wir bereits im Sommer 2017. Die Reiseroute führte von der Hauptstadt Edinburgh an die Westküste, dann an der Küste entlang nach Norden, dann quer durch die Highlands bis nach Inverness und danach wieder zurück nach Edinburgh. Dazwischen lagen unzählige Stopps und Abstecher zu den verschiedensten Locations. Insgesamt waren wir 10 Tage unterwegs und haben eine Fahrstrecke von ungefähr 1.800 km zurückgelegt.

Unsere Reiseroute führte uns in 10 Tagen ca. 1.800 Kilometer durch Schottland. Von der Hauptstadt Edinburgh ging es an die Westküste, dann an der Küste entlang nach Norden, quer durch die Highlands bis nach Inverness und wieder zurück nach Edinburgh. Dazwischen lagen unzählige Stopps und Abstecher zu den verschiedensten Locations.

Los ging es direkt am Flughafen in Edinburgh, wo wir unseren Mietwagen in Empfang nahmen. Den ersten Zwischenstopp legten wir bei den Kelpies ein, zwei Skulpturen aus Stahl, die jeweils rund 30 m hoch sind. Sie stehen im Park „The Helix“ nahe der Stadt Falkirk. Die Skulpturen sollen zwei Kelpien darstellen, Wassergeister in Pferdegestalt. Im schottischen Volksglauben bewohnen die Fabelwesen die fließenden Gewässer des schottischen Hochlandes.

Kelpies, Wassergeister in Pferdegestalt im Helix Park bei Falkirk

Danach ging es weiter zum Loch Lomond, dem größten See Schottlands. Der See befindet sich inmitten des Trossachs Nationalpark und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Im Loch Lomond befinden sich zahlreiche Inseln, einige davon sind Naturreservate und manche erreicht man nur bei geringem Wasserstand. Ein tolles Gebiet für eine Tour mit dem Kajak oder Kanu. Aber auch mit dem Fahrrad lässt sich Loch Lomond prima erkunden. Am Westufer befindet sich der „West Loch Lomond Cycle Path“. Der Radweg ist 28 Kilometer lang und bietet immer wieder wunderschöne Ausblicke.

Abendstimmung im Hafen von Oban
Wandertour auf der kleinen Insel Kerrera

Nachdem wir Loch Lomond hinter uns gelassen hatten, ging es weiter an die Westküste zur Hafenstadt Oban. Dort machten wir einen Abstecher auf die kleine Insel Kerrera. Die Insel ist weitgehend unbewohnt und man kommt nur mit einer Personenfähre hin. Auf Kerrera angekommen, war eine Rundwanderung angesagt mit Abstecher zur Burgruine Gylen Castle an der Südspitze der Insel. Auf dem Weg zur Burg gab es malerische Buchten, tolle Ausblicke und jede Menge Schafe zu bestaunen. Den Abend ließen wir dann in einem kleinen Pub im Hafen von Oban ausklingen. Während ich mich mit einem Pint „Skye Red“ von der Isle of Skye belohnte, färbte sich draußen passend dazu der Himmel in den schönsten Rottönen und der Tag ging mit einem tollen Sonnenuntergang zu Ende.

Regenbogen über dem wunderschönen Gletschertal von Glen Coe, dem „Tal der Tränen“


Glen Coe, das Tal der Tränen
Am nächsten Tag stand bereits einer der Höhepunkte einer jeden Schottland-Reise auf dem Tagesprogramm: Glen Coe, das Tal der Tränen, ist eines der Highlights in Schottland. In dem sagenumwobenen Hochtal hat sich vor vielen Jahren ein Drama abgespielt. Im Jahr 1692 wurde der Clan der MacDonalds auf Befehl des Königs durch ein hinterhältiges Massaker nahezu vollständig ausgelöscht. Heute ist das Tal ein Touristen-Hotspot und ein fantastisches Wandergebiet. Die durch Gletscher geformten und über eintausend Meter aufragenden Berge gehören zu den eindrucksvollsten Landschaften der Highlands.

Als wir im Tal ankamen war das Wetter so, wie es sich für Schottland gehört. Es regnete und die markanten Gipfel der “Three Sisters” waren im Nebel verhüllt. Auf den torfigen Hochmoorflächen quoll bei jedem Schritt eine kleine Wasserfontäne aus dem Boden – gutes Schuhwerk lernt man da schnell zu schätzen. Aber Schottland wäre nicht Schottland, würde sich das Wetter nicht stündlich ändern. So kam es dann auch und aus dem Nichts rissen die Wolken auf. Zuerst brachen nur einzelne Sonnenstrahlen durch, dann wurden die Wolkenlücken größer und zum Finale unserer Wanderung stand ein wunderschöner Regenbogen über dem mystischen Tal von Glen Coe.

Stilvolles „West Highland Hotel“ in Mallaig

Schottlands wilde Westküste
Nach der Wanderung durch das Gletschertal fuhren wir weiter nach Mallaig, einem kleinen Küstenort vor der Isle of Skye. Dort angekommen, bezogen wir spät abends unser Zimmer im malerischen West-Highland Hotel. Am nächsten Morgen ging es nach einem typisch britischen Frühstück zu Fuß an den nahe gelegenen Bahnhof. Den Mietwagen ließen wir an diesem Tag mal stehen und fuhren mit dem Zug von Mallaig nach Fort William und wieder zurück. Entlang der landschaftlich sehr reizvollen Strecke passiert man zwei Lochs aus denen kleine Inseln mit knorrigen Kiefern herausragen. An den Berghängen fließen unzählige glitzernde Bachläufe zu Tal und in den blühenden Heidelandschaften kann man mit etwas Glück Hirsche entdecken. Die Fahrt führt vorbei an der kleinen Ortschaft Glenfinnan mit dem bekannten Monument und Viadukt aus den Harry Potter-Filmen.

Glenfinnan Monument am Ufer von Loch Shiel

Den Abend ließen wir im Hotelrestaurant mit fangfrischem Fisch, Muscheln und ein paar Gläsern Cider ausklingen. Nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Spaziergang an der Küste. Das Wetter war leider eher bescheiden, so dass es sich meine Familie auf dem Hotelzimmer bequem machte. Ich hingegen hatte die Hoffnung auf gutes Fotolicht noch nicht aufgegeben. Also machte ich mich trotz grauem Himmel auf den Weg zum Strand. Dort angekommen konnte ich nur warten und darauf hoffen, dass der Himmel noch aufreißt. Und was soll ich sagen: die schottischen Highlands haben tatsächlich noch einen genialen Sonnenuntergang hervorgezaubert. Der Himmel glühte und davor erhoben sich die Silhouetten der Hebrideninseln Skye, Rum und Harris – ein gigantischer Anblick! Zum krönenden Abschluss tauchte dann auch noch ein Seehund direkt vor mir auf und beobachtete mich neugierig.


Silhouette der Isle of Skye im dramatischen Sonnenuntergangslicht

Am nächsten Tag ging es zu Loch Morar. Dieser See zählt zu den größten Lochs in Schottland und ist mit 310 Metern zugleich der tiefste See auf der britischen Insel. Wie bei Loch Ness wird auch hier von einem Seeungeheuer namens Mhorag berichtet, welches im Loch Morar leben soll. Gesehen haben wir das Seeungeheuer leider nicht. Aber ich muss sagen, dass Ungeheuer hat sich eine sehr schöne Gegend als Wohnort ausgesucht. Ein kleines Sträßchen entlang des Loch führt direkt in eine andere Welt. Ein spezielles Mikroklima sorgt für teils subtropische Landschaftsbilder. Stellenweise kommt man sich vor wie im Dschungel, nur die Temperaturen passen nicht ganz.

Loch Morar in den schottischen Highlands

Nach einer ausgedehnten Wanderung am Ufer von Loch Morar ging es weiter an die nahe Küste. Dort erwartete uns das totale Kontrastprogramm mit feinstem Sand, weißen Dünen und dazwischen schroffen Felsen – die Strände an den „Silver Sands of Morar“ sind grandios! Das Wetter hat auch mitgespielt und uns einen schönen Strandtag beschert. Brrrr, nur das Wasser war eiskalt…. warum wohl trugen die wenigen anderen Badegäste Neoprenanzüge!?

Strände mit feinem, weißem Sand an den „Silver Sands of Morar“

Sonnenaufgang am Loch Morar
Abends im Hotel habe ich dann nochmal den Wetterbericht gecheckt und einen Plan für den nächsten Morgen gefasst. Nachdem wir das wunderschöne Loch Morar bereits am Vortag erkundet hatten, wollte ich die malerische Landschaft auch noch im Sonnenaufgangslicht fotografieren. Also um 4:30 Uhr raus aus den Federn und im Dämmerlicht hoch auf einen der umliegenden Berge. Oben angekommen habe ich die Kamera aufgebaut und dann hieß es warten auf den Sonnenaufgang. Einen Wachmacher gab es noch gratis dazu, als drei Schafe plötzlich aus dem Nichts hinter mir standen und mich fast zu Tode erschreckt haben. 😉 Der anschließende Sonnenaufgang hat für die „Strapazen“ am frühen Morgen mehr als entschädigt! Diese unglaubliche Stille und dann die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und eine salzige Brise vom Meer – so sollte jeder Tag beginnen! Nach diesem tollen Erlebnis ging es dann zurück ins Hotel und direkt an das Frühstücksbüffet.

Kurz vor Sonnenaufgang oberhalb von Loch Morar

Nach zwei Übernachtungen in Mallaig ging es weiter nach Ullapool. Auf dem Weg dorthin machten wir einen weiten Schlenker quer durch die Highlands, vorbei an Eilean Donan Castle, der Burg aus den Filmen „Highlander“ und „Braveheart“. Je weiter wir in die Highlands vordrangen, desto einsamer wurde es. Unglaublich wie dünn besiedelt die Highlands in weiten Teilen sind. Wir waren viele Kilometer auf „Single Track Roads“ unterwegs und sind keiner Menschenseele und noch nicht mal anderen Autos begegnet. Wer Abgeschiedenheit in einer grandiosen Naturlandschaft sucht, dem kann ich die Highlands im äußersten Nordwesten Schottland’s nur wärmstens ans Herz legen.

Teile der Ortschaft Ullapool ragen bis ins Meer hinein

In den nächsten zwei Tagen ging es weiter quer durch die Highlands in Richtung Osten bis nach Inverness. An der Ostküste zeigt Schottland ein ganz anderes Gesicht. Die Landschaft ist dort weniger rauh, eher lieblich und sehr durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Mein Highlight war der Besuch des Leuchtturmes „Tarbat Ness Lighthouse“ nördlich von Invergordon. Eine sehr malerische Landzunge mit Steilküste und darin nistenden Meeresvögeln. Im Meer konnten wir Seehunde und Delfine beobachten.

Idyllische Halbinsel beim Tarbat Ness Lighthouse


Haggis, Whiskey, Burgen und Schlösser
Bei einer Schottland-Reise darf natürlich auch die Kultur und Historie nicht zu kurz kommen. Neben Haggis und Whiskey standen deshalb auch Burgen und Schlösser auf der Todo-Liste, u.a. besuchten wir Dunrobin Castle. Das Schloss liegt an der Ostküste von Schottland, knapp zwei Kilometer nördlich von Golspie. Es ist der Stammsitz des Clan Sutherland, dem einst mächtigsten Clan in den Highlands. Mit 189 Zimmern ist Dunrobin Castle das größte Wohngebäude in den nördlichen Highlands und entsprechend viel gab es bei der Besichtigung zu sehen. Zum Schloss gehört auch eine Falknerei, so dass wir auch noch eine interessante Flugshow bestaunen konnten. Zum Ausklang machten wir noch einen Spaziergang durch die Parkanlage und kehrten in einem gemütlichen Pub ein. Auf der Speisekarte gab es natürlich wieder mal das schottische Traditionsgericht Haggis, dessen Inhalt man lieber nicht genau in Erfahrung bringt. Haggis besteht aus dem Magen eines Schafes, gefüllt mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl. Schmeckt aber viel besser, als es sich anhört! 😉

Schottland ist voller Burgen und Schlösser, hier Dunrobin Castle


Sehenswerte Hauptstadt Edinburgh
Zum Abschluss unserer Schottland-Rundreise ging es zurück in die Hauptstadt Edinburgh. Wir nutzten die Zeit für eine Tour durch die Altstadt und schauten uns Edinburgh Castle und die „Royal Mile“ an. Am nächsten Morgen saßen wir dann auch schon wieder im Flieger zurück in die Heimat. Alles in allem ein wunderbarer Urlaub in einem faszinierenden Land. An Schottland hat mich vor allem die Ruhe und Abgeschiedenheit der Highlands beeindruckt. Und natürlich die gigantischen Landschaften, die sich teils wie ein gemaltes Landschaftsepos aus dem Meer erheben. Tschüss Schottland und bis zum nächsten Mal – wir werden uns wiedersehen!

Ein Abstecher in die Hauptstadt Edinburgh lohnt sich auf jeden Fall. Empfehlenswert ist eine Tour durch die Altstadt mit Edinburgh Castle und der „Royal Mile“.

Bildergalerie mit weiteren Impressionen aus Schottland:


Foto-Tipp: Das richtige Licht
Das richtige Licht ist für mich der mit Abstand wichtigste Faktor bei der Landschaftsfotografie. Das tollste Motiv und die beste Fototechnik ist nutzlos, wenn das Licht nicht stimmt. Landschaftsfotografie ist deshalb eine ständige Jagd nach dem besten Licht und das findet man leider nicht zur Mittagszeit. Die schönsten Bilder entstehen (mit wenigen Ausnahmen) in den Morgen- und Abendstunden. Die tief stehende Sonne modelliert die Landschaft, verleiht dem Bild Struktur und Tiefe und bringt die Farben zum Leuchten.

Technik-Info:
Alle Fotos wurden mit der Panasonic Lumix FZ2000 aufgenommen. Ich verwende diese Kamera sehr gerne auf Reisen, weil man einfach alles dabei hat. Mit ihrem großen Brennweitenbereich von Weitwinkel bis Tele deckt die Kamera eigentlich alle Motive ab und man muss nicht mehrere Objektive mit sich herumschleppen. Die Bildqualität ist dennoch sehr gut und wenn man in RAW aufnimmt, bieten die Bilder auch genügend Reserven für die Nachbearbeitung in z.B. Lightroom.

Warten auf den Sonnenaufgang in den schottischen Highlands